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Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.

Heinrich Heine

"Sie waren selbständig, selbstsicher, selbstsüchtig, wandelnde Selfies, zwei dauerbewegte Selbstportraits. Wenn sich Meiler die neue Generation vorstellte, sah er eine Armee von jungen Leuten mit ausgestrecktem rechtem Arm, nicht zum Führergruß, sondern um das eigene Gesicht mit dem Smartphone aufzunehmen."
Unterleuten: Roman - Juli Zeh

Unterleuten von Juli Zeh, Seite 485

Unterleuten von Juli Zeh

Unterleuten: Roman - Juli Zeh

Ich gebe es zu, obwohl das Buch vom Stil her gut zu mir passt und angenehm zu lesen war, brauchte ich doch erheblich lange, um wirklich voranzukommen. Immer wieder habe ich andere Bücher dazwischen geschoben und mal pausiert. Aber nun habe ich "Unterleuten" von Juli Zeh beendet und muss sagen: ein tolles Buch, das aus sehr unterschiedlichen Perspektiven eine Geschichte über gewinnende Verlierer und verlorene Gewinner erzählt. Es geht um Wendegewinner und -verlierer, es geht um Liebe und Macht, es geht um Spießigkeit und Kleingeistigkeit, es geht um Menschen. Da gab es diejenigen, die ich lieben und hassen und dann wieder lieben konnte und dann auch die, die mir von Anfang an unsympathisch waren. Einfach gut. 

 
Juli Zeh ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, obwohl jedes Kapitel von einer anderen Person erzählt wird. Das ist wirklich beeindruckend gewesen und machte den Roman facettenreich. 
Zugegebenermaßen war ich über den Epilog sehr dankbar. 
 
Ich empfehle dieses Buch allen, die Gesellschaftsstudien spannend finden, die sich für Intrigen, Dorfklatsch und olle Kamellen begeistern können und die einmal ostdeutsche Landluft schnuppern wollen.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen, weil das Buch doch etwas brauchte, um an Fahrt aufzunehmen, aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau.
 
 
"Wenn ich in Unterleuten eins gelernt habe, dann dass jeder Mensch ein eigenes Universum bewohnt, in dem er von morgens bis abends recht hat." (Zitat, Seite 555)

Blackthorn Code - Die schwarze Gefahr von Kevin Sands

Der Blackthorn-Code - Die schwarze Gefahr - Kevin Sands, Alexandra Ernst

Nun ist schon wieder einige Zeit vergangen zwischen dem ersten und dem zweiten Band der Blackthorn Cade-Reihe von Kevin Sands, aber glücklicherweise nicht zu viel Zeit, sodass mir noch die Ereignisse präsent waren. Doch auch durch Kevin Sands Schreibstil fiel es mir leicht, wieder in die Geschichte im 17. Jahrhundert in London einzutauchen. Es ist echt unglaublich, mit wie viel Detailliebe der Autor seine Geschichte erzählt. Das macht Spaß und ist selten für ein Kinderbuch (es ist zwar in der Kategorie gelistet, aber doch eher ein Jugendbuch). Da geht es selbst mir als erwachsener Person so, dass es spannend ist und man nicht mehr aufhören will (und die eingerosteten Lateinkenntnisse kamen auch mal wieder zum Tragen).
Wie dem auch sei....


Die Geschichte um Christopher und seine Freunde geht weiter und hat nichts vom Drive aus Band 1 verloren. Eine absolute Leseempfehlung!!!! 

"Drei ringende Greise, dachte er. Wenn es einen Gott gibt, holt der sich gerade die nächste Tüte Popcorn und hat schon Seitenstechen vor Lachen."
Unterleuten: Roman - Juli Zeh

Unterleuten von Juli Zeh, Seite 339

"Eines Tages wollte Frederik ein Computerspiel entwickeln, in dem eine Frau wie Linda die Hauptrolle spielte. Eine, die allen Ernstes glaubte, Gerechtigkeit sei ein anderes Wort dafür, dass sie ihren Willen bekam. "
Unterleuten: Roman - Juli Zeh

Unterleuten von Juli Zeh, Seite 257

Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort von Alan Bradley

Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort: Roman - Alan Bradley, Gerald Jung

Wie, was und wer?

 

Ach, wie lange musste ich auf einen weiteren Flavia de Luce - Band warten? Lange, viel zu lange nach meinem Geschmack und noch schlimmer, ich muss jetzt wieder ewig warten!!! 

Denn der neue Band ist schwupdiwups schon ausgelesen und eigentlich möchte ich sofort wissen, wie geht es weiter mit meinen Freunden auf Buckshaw!

 

Aber der Reihe nach...

Ander als viele andere Autoren gelingt es Alan Bradley, dass seine Reihe um die 12-jährige, zugegeben neunmalkluge und nerdige Flavia im ländlichen England der 50er Jahre immer spannender und nicht langweiliger wird. Da können sich andere mal ein paar Scheibchen abschneiden. 

Im neuen Band ist Flavia wieder zurück aus dem "Exil" des kanadischen Internets und erwartet eigentlich ein großes Begrüßungskomitee, aber nix da... keiner scheint sie so recht vermisst zu haben von der de Luce-Sippe, denn Colonel de Luce ist schwer krank und die Sorge um ihn, treibt alle um. Da braucht es schon eine Leiche, um die Spürnase Flavia abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen. 

 

Der Fall war ganz schön verzwickt, aber letztlich passend und es machte Spaß, gemeinsam in Wohnungen herumzuschnüffeln, Aufflüge nach London zu machen oder Leute auszufragen. Flavia hat es echt drauf! 

Das Ende, also das Buchende, ist hingegen nicht so erbaulich und lässt den geneigten Leser nach einer Fortsetzung gieren.

 

Es gibt 5 von 5 Sternen für eine tolle, unterhaltsame und Chemikalien reiche Lektüre!!!

 

 

"Dabei sind die traumlosen Nächte manchmal die schlimmsten, weil man aus ihnen zurückkehrt, ohne zu ahnen, wo man war und was man getan hat."
Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort: Roman - Alan Bradley, Gerald Jung

Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort von Alan Bradley, Seite 330.

"Erstaunlich, was für ein Hochgefühl so ein Leichenfund auslösen kann!"
Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort: Roman - Alan Bradley, Gerald Jung

Flavia de Luce 8 - Mord ist nicht das letzte Wort von Alan Bradley, Seite 45

"Die meisten hatten sich das Sterben aber nicht gestattet und blieben heimwehkranke Wanderer ihr Leben lang."
Altes Land: Roman - Dörte Hansen

"Altes Land" von Dörte Hansen, Seite 112

"Manchmal, wenn sie mit fremden Frauen auf dem Spielplatz saß, sah sie die dunklen Augenringe und fragte sich, ob es noch andere gab wie sie, Nachtmütter, die sich am Tag ein anderes Leben wünschten. Falls ja - sie würden es auch unter Folter nicht gestehen. Man durfte erschöpft sein auf den Bänken in Ottensen, gestresst und ungekämmt, auch ungeschminkt, das ging alles, nur mutterglücklos, das ging nicht. "
Altes Land: Roman - Dörte Hansen

"Altes Land" von Dörte Hansen; Seite 45

Altes Land von Dörte Hansen

Altes Land: Roman - Dörte Hansen

Wie, was und wer?

 

Ich bin vor knapp 2 1/2 Jahren in den Norden Deutschlands gezogen - der Arbeit wegen - und hatte vorher nur so vage Vorstellungen davon, wie die Menschen an der Küste ticken. Nun habe ich schon ein paar mehr Ideen und fühle mich sehr wohl, das "Moin" geht mir sehr leicht über die Lippen und dennoch, da ich beruflich sehr viel mit Menschen zu tun habe, verstehe ich nicht alle Sachen sofort und hatte nur eine Ahnung, gemeint sein könnte. Eine Kollegin empfahl mir also das Buch "Altes Land" mit den Worten: Dann verstehst du das besser, wenn die Menschen hier aus ihrem Leben erzählen.

Und ja, nun verstehe ich es wirklich besser, denn Dörte Hansen hat ein eindrückliches Buch geschrieben, das nicht ausufernd ist, das klar, direkt und dennoch sprachgewaltig ist und mich in seinen Bann gezogen hat. 

 

"Altes Land" erzählt vom Leben im Alten Land, also in der Gegend um Stade herum. Es erzählt vom Ankommen nach der Flucht aus Ostpreußen. Es erzählt von all dem Leid, das diesen Flüchtlingen widerfahren ist und es erzählt von den Hamburgern, die öko und reflektiert, wie sie sind, mal das Landleben austesten und für sich entdecken wollen. Es erzählt die Geschichte von Anne und ihrem Sohn Leon, die aufs Land fliehen und dort eine Heimat finden. 

 

Das Buch hat mich sofort aufgesogen. Plötzlich kamen mir viele Erzählungen, die ich in den Monaten bisher gehört hatte, wieder in den Sinn und ergaben nun auch mehr Sinn. Ich empfand die Sprache von Autorin Hansen als angemessen, manchmal derb, manchmal direkt, manchmal zärtlich und poetisch, aber nie verspielt und banal. Die Erzählperspektiven wechseln, lassen den Leser eintauchen und Beweggründe erahnen. 

Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!!

 

Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex von Horst Evers

Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex - Horst Evers

Wie, was und wer?

 

Vorbemerkungen: Ach, schon länger habe ich keine Rezension mehr geschrieben, war etwas beschäftigt mit meinem zweiten Examen und dem Lernen dazu, also konnte ich nur gelegentlich ein paar Seiten im Buch lesen und kam auch nicht so recht voran. 

Nun ist das Examen bestanden und ich habe wieder Zeit und die nutze ich mal zum Lesen, Serien schauen und Rezensionen nachholen.

 

Ihr wisst ja, ich mag Horst Evers - wie unschwer an meinem Bücherregal zu erkennen ist, aber ehrlich, das neue Buch kann leider so gar nicht mit "Wäre ich du, würde ich mich lieben" mithalten und plätschert in den Erzählungen manchmal allzu banal daher. Wo ist Ihr Wortwitz, Ihr Scharfsinn und Ihre Sprachbegabung geblieben, Herr Evers??!!

Ich bin schon ziemlich enttäuscht, aber mir schwant, da ich schon einige Seiten im neuen Jürgen von der Lippe Buch gelesen habe, auch da nichts Gutes, sondern eine Ernüchterung dahingehend, dass ich zukünftig nicht einfach so die Folgebücher der Autoren kaufe, sondern doch lieber wieder hineinlese, damit ich nicht enttäuscht werde. Naja, aus Fehlern wird man klug. 

 

Also, kurz und gut, das neue Buch von Horst Evers kann leider nicht mit seinen vorherigen mithalten, es ist weniger unterhaltsam, weniger lebensnah, weniger Horst Evers allgemein. Die Geschichtchen waren manchmal zu absurd, um dann noch lustig zu sein. Vielleicht ist ihm nichts mehr eingefallen, schade. 

Dafür gibt es nur 3 Sterne von 5 und die leise Enttäuschung darüber, dass ich das neue Programm von Horst Evers lieber nicht live hören oder sehen möchte...

 

Mein Sommer mit Mucks von Stefanie Höfler

Mein Sommer mit Mucks: Roman. Mit Vignetten von Franziska Walther - Stefanie Höfler, Franziska Walther, Franziska Walther

Worum geht es und wie war es?

 

Zonja mit Z ist nicht so wie die anderen 12jährigen Kids in ihrer Klasse. Sie weiß das ganz genau und hat sich damit abgefunden. Sie ist neugierig und findet nicht alles langweilig, sondern stellt Fragen und will immer mehr und noch mehr wissen. 

Dann stehen die Sommerferien vor der Tür und Zonja weiß, dass sie mal wieder lange sechs Wochen allein verbringen wird, weil ihre Eltern arbeiten müssen, und so verbringt sie jeden Tag im Freibad und rettet einen sonderbaren und vor allem viel zu großen 13jährigen Jungen vor dem Ertrinken. Das ist der Anfang eines ganz besonderen Sommers für Zonja, denn ab da, ist sie nicht mehr allein ...

 

Sehr viel mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, denn mit 139 Seiten ist es doch ein recht kurzes Büchlein. Es ist kein unbeschwertes, lach und sei fröhlich Kinderbuch, sondern behandelt auf einfühlsame Weise das Thema häuslicher Gewalt. Ich mochte den Schreibstil der Autorin sehr, fand Zonjas Gedanken ehrlich und mir sehr vertraut. Dadurch entstand, trotz der Kürze des Buches, eine sehr dichte Atmosphäre und am Ende habe ich einige Tränchen vergossen. Hach, seufz... ein wirklich lesenswertes Buch, dem ich 5 von 5 Sternen gebe.

All die verdammt perfekten Tage von Jennifer Niven

All die verdammt perfekten Tage: Roman - Jennifer Niven, Alexandra Ernst

Worum geht es und wie war es?

 

Eines Tages begegnen sich Violet, die hübsche, perfekte und beliebte Violet, und Finch, der Freak, der Sonderling, der Spinner, auf dem Glockenturm ihrer Schule. Beide haben ein gemeinsames Vorhaben oder dachten zumindest, dass sie dieses Vorhaben hatten - Suizid. Doch Finch kann Violet überreden, es nicht zu tun und hilft ihr wieder vom Glockenturm herunter - in mehrerer Hinsicht... 

 

Ich möchte gar nicht so  viel von dem Inhalt des Buches erzählen, denn das verdirbt eindeutig die Spannung und nimmt sehr viel Dynamik aus der Erzählung. Ich war beeindruckt vom Schreibstil Jennifer Nivens und mochte die Aufteilung der Erzählung aus der Perspektive von Violet und Finch sehr. Beide denken unterschiedlich, aber beide suchen nach etwas im Leben. 

Diese Geschichte berühr, wühlt auf und hat mich nicht mehr losgelassen. Ich musste sie zu Ende lesen und war am Ende wie durchgerüttelt, aber in einem positiven Sinne. Und ja, ich habe auf den letzten Seiten einfach nur weinen müssen. Das Ende, auch wenn es sich schon ab der Mitte des Buches abgezeichnet hatte, traf mich, verletzte  und versöhnte mich zugleich. Es ist wirklich schwer zu beschreiben. 

 

Von mir gibt es eine Leseempfehlung und die Warnung, dass es kein "Heile-Welt-Liebesroman" ist, sondern Dinge und Menschen auch kaputt gehen, oder um es mit den Worten des Buches selbst zu sagen: zerbrechen.

5 von 5 Sternen!!!

Reading progress update: I've read 65%.

All die verdammt perfekten Tage: Roman - Jennifer Niven, Alexandra Ernst

Und ich dachte, nach "Eleanor & Park" könnte mich so schnell kein Buch mehr gefangen nehmen. Wow.... 

Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt von Nicholas Gonnan

Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt - Nicholas Gannon, Nicholas Gannon, Harriet Fricke

Worum geht es und wie war es?

 

Eigentlich (!) geht es darum, dass Archer Helmsley seine verschollenen Großeltern von einem Eisberg in der Antarktis befreien möchte, ABER so einfach ist es natürlich nicht, wenn man wie Archer 11 Jahre ist, nie aus dem Haus darf, weil die Mutter Angst hat, man könnte so verrückt werden wie die Forscher-Großeltern und sein ganzes Abenteuerwissen nur aus Büchern hat. Dennoch wagt Archer das Unmögliche und zusammen mit seinen beiden Freunden Oliver und Adelaide, die beide nebenan wohnen, bereitet sich Archer auf die Reise zum Ende der Welt vor... 

 

Und wie war es nun? 

Das Buch wird damit beworben, dass es eben anders als man meinen könnte, wenn man von Archers Leben eingesperrt im Haus hört, nicht langweilig sein soll, sondern superduperspannend. Mmh, kann ich nicht behaupten. Ich fand es eher mäßig und bin null gespannt darauf, wie die Abenteuer von Archer und seinen Freunden weitergehen. Das ganze Buch erzählt die Geschichte, wie sich die drei Freunde auf die Reise vorbereiten und damit ist auch schon alles gesagt. Die Erwachsenen sind alle seltsam in diesem Buch, entweder autoritär oder total freigeistmäßig. Da ist kein vernünftig denkender Mensch dabei, mit dem man sich halbwegs identifizieren kann. Die drei Kids sind auch alle irgendwie verrückt und dabei nicht liebenswert, sondern einfach nur blass und oberflächlich. Die eine lügt, der andere ist total verpeilt und der nächste will immer nur hoch hinaus. Es ist irgendwie alles sehr farblos und unkoordiniert erzählt, einfach so ein Potpourri an Ideen oder Einfällen, die dem Autor wohl mal so eben kamen. 

 

Darum gibt es von mir nur 2 Sterne von 5 für diese seltsame, ja wahrlich höchst wundersame Reise zum Ende der Welt... gähn! 

Ich lese gerade

Love oder Meine schönsten Beerdigungen: Roman (Reihe Hanser)
Jason Reynolds, Klaus Fritz
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