Spoileralarm

Flavia de Luce - Tote Vögel singen nicht von Alan Bradley

Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht: Roman - Alan Bradley

Worum geht es?

Am Ende des letzten Bandes stand die schockierende Nachricht: Harriet, also Flavias Mutter, wurde gefunden. Und nun steht die Familie de Luce mit sämtlichen Dorfbewohnern von Bishop's Lacey am Bahnhof und starrt dem Zug entgegen, der den Sarg von Harriet de Luce nach Hause bringen soll. 

Und dann passiert alles sehr schnell, während Flavia noch nicht weiß, wie sie eigentlich auf diese neue Entwicklung ihres Lebens reagieren soll, wird sie von einem Mann angesprochen, der ihr eine Botschaft überbringt und schließlich vom einrollenden Zug überfahren wird. Aber damit nicht genug, plötzlich tauchen immer mehr alte und neue Bekannte auf Buckshaw, dem Familiensitz der de Luces, auf und alles wird mysteriöser...

 

Wie war es?

Ich habe eine Spoilerwarnung gesetzt, also seid bitte auch gewarnt! 

Ich mag Flavia, ich hab mich nach anfänglichen Schwierigkeiten in diese kleine Welt auf Buckshaw verliebt, ja ich mag sie alle dort, so verdreht und merkwürdig sie auch sind. Den Colonel, der mehr mit seiner eigenen Trauer als mit der seiner Kinder zu tun hat. Diese Kälte, die die ganze Familie umgibt und die bodenlose Leere, in die alle Familienmitglieder blicken und hilflos neben dem Abgrund stehen, obwohl der Boden sich senkt und sie sich retten müssten. 

Und deshalb hab ich mich auf den neuen Band sehr gefreut. Alles fing auch gut an. Den Schreibstil und die verrückten Gedanken Flavias mag ich und bin ich auch mittlerweile gewohnt. Diese Unerschrockenheit gegenüber dem Tod, die bissigen Kommentare über ihre Mitmenschen, wunderbar!

Aber dann dachte Flavia, sie könnte ihre mutter zum Leben erwecken. Okay, dachte ich mir, ist ja immerhin ein Kind und die haben ein noch anderes Weltverständnis... das war auch alles halb so wild.

Es wurde dann schwierig, als Flavia immer mehr in die Geschehnisse um ihre Mutter, deren Vergangenheit als Geheimdienstagentin und so eintauchte und dabei völlig, wirklich völlig, den Mord am Bahnhof vergaß. Da gab es keine Ermittlungen in diese Richtung und dann stehen wir in der Kirche und eine Verfolgungsjagd beginnt wie aus dem Nichts? Häh? Es tut mir leid, Herr Bradley, aber so etwas ist wirklich völlig daneben. Hat Ihnen das niemand von den ach-so-tollen Lektoren gesagt?

Meine Enttäuschung war groß und wie es aussieht wird der nächste Flavia Band nicht mehr im schönen England der 50er Jahre spielen. Was soll das? Und in welche Richtung, bitte, wollen Sie uns führen, Herr Bradley? Ich weiß nicht, ob ich diese Entwicklung mittragen möchte. 

 

Es gibt nur noch 3 1/2 Sterne für den aktuellen Flavia Band. Ich kann einfach nicht damit umgehen, dass Flavia kaum ermittelt hat, dann der Täter mir nichts dir nichts gestellt wird und es keine logische Erklärung dafür gibt, warum. Außerdem fand ich es befremdlich, dass wenn schon so viel Augenmerk auf die seelischen Befindlichkeiten der Charaktere gelegt wird, dann bitte doch auch richtig. Ich hätte mir doch mal ein paar tiefere Gedanken um die Familiensituation und das Erbe gewünscht. 

Es war ein unterhaltsames Buch, aber eben nicht ganz Flavia-like. 

 

Hier noch ein Zitat, dass die merkwürdige Familiensituation beschreibt:

"Liebe auf Armeslänge hätte unser Familienmotto lauten sollen statt des künstlich-geistreichen Dare Lucem."

(S. 287)

 

 

Bisher gelesen und rezensiert:

Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet

Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel

Flavia de Luce - Halunken, Tod und Teufel

Flavia de Luce  - Vorhang auf für eine Leiche (keine Rezension)

Flavia de Luce - Schlussakkord für einen Mord